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Das EIFAE dient der Förderung und Entwicklung "rechter zwischenmenschlicher Beziehungen."

Freiheit und andere Illusionen |
| Posted by Administrator (admin) on Aug 02 2011 |
Wir verstehen meistens unter Freiheit eine Freiheit „von“ statt eine Freiheit „zu“, weil wir mit dem befasst sind wogegen wir sind, statt mit dem Wofür wir sind. Gegen wen wir uns schützen sollten, statt wofür wir leben. Aber das erscheint uns natürlich, da wir es ohne zu bemerken uns selbst fremd geworden sind.
Neben dem Begriff „Freiheit“ gibt es noch andere häufig gebrauchte Begriffe die
eine ähnliche Doppelbedeutung haben. Beim Gebrauch des Wortes „Demokratie“ etwa meinen wir – mehr oder weniger unbewusst – „Zustimmung ohne Anwendung von Gewalt“.
Wenn wir das Wort „Gleichheit“ gebrauchen, dann meinen wir „Gleichförmigkeit“,
ohne daran zu denken, dass „Gleichheit“ ursprünglich „Ebenbürtigkeit“ meinte
und bedeutete, dass kein Mensch zum Mittel für die Zwecke eines anderen gemacht
werden darf. Oder wir sprechen von „Glück“ und meinen in Wirklichkeit uneingeschränkten Konsum. Wir leben heute in einer Zeit der Massenproduktion und zwar sowohl in dem Sinn, dass große Gütermengen produziert werden, als auch in jenem Sinn, dass Menschenmassen gut organisiert und reibungslos zusammen arbeiten. Der Konsum ist bis zu einem gewissen Grad durch Marktforschung voraussagbar; der jeweilige Trend wird durch die Werbung gelenkt mit der künstliche Bedürfnisse erzeugt werden.
Der Massenmensch wird von riesigen Bürokratien verwaltet. Vom Staat, von Verwaltern des Staates, von der Industrie usw. Diese Bürokratien arbeiten zusammen und bilden ein Netzwerk das auf den Massenmenschen einwirkt. Dieser ist durchaus bereit sich von ihnen dirigieren zu lassen, vorausgesetzt er kann die Illusion aufrechterhalten, dass er aus freien Stücken entscheidet und dass er es „in Wirklichkeit“ ist der den Bürokratien sagt wo es lang geht.
Wir möchten über Bürokratien etwas vom psychologischen Standpunkt aus sagen, da dieses für das Folgende von Bedeutung sein wird. Bürokratie ist nicht einfach Verwaltung. In jeder differenzierten Gesellschaft müssen Dinge verwaltet werden und dies wird auch bis zu einem gewissen Grad benötigt, um die riesigen Datenmengen von Menschen zu regulieren. Mutiert jedoch diese Verwaltung zu einer Bürokratie die die Menschen behandelt als ob sie Dinge wären, befindet man sich auf dem falschen Weg. Das Problem mit Bürokratien ist, dass sie mit dem Menschen nicht menschlich sondern unmenschlich und grausam umgehen.
Eine Bürokratie kennzeichnet die Beziehung zwischen einem Bürokraten und seinen Objekten, den Menschen. Der Bürokrat behandelt Menschen wie Dinge, und die Menschen willigen ein wie Dinge behandelt zu werden solange sie es nicht merken, dass sie als Dinge gesehen werden.
Konzerne benötigen Menschen die in großer Zahl reibungslos kooperieren. Die immer mehr konsumieren möchten, deren Geschmack standardisiert ist und leicht vorausgesehen und beeinflusst werden kann.
Sie brauchen Menschen, die sich frei und unabhängig fühlen, glauben keiner Autorität, keinem Prinzip oder Gewissen unterworfen zu sein und dennoch bereit sind das zu tun was „man“ von ihnen erwartet; die sich in eine soziale Maschinerie reibungslos einfügen, die ohne Gewaltanwendung gelenkt, ohne Führer geführt werden und zielstrebig sind ohne Ziel – außer dem einen, die Sache gut zu machen, sich zu sputen, zu funktionieren, um beruflich vorwärts zu kommen und um sich immer mehr Dinge kaufen zu können.
Das Paradoxe bei der Beziehung zwischen den Bürokraten und den von ihnen verwalteten Menschen ist, dass beide kein Ziel haben, jede Gruppe aber davon überzeugt ist die andere habe eines. Die Verwalteten glauben die Bürokraten wüssten was sie tun und wohin sie gehen; aber auch die Bürokraten haben ein undeutliches Gefühl das verwaltete Volk hätte ihnen gesagt wohin es gehen müsse. In Wirklichkeit verhalten sich beide wie zwei Blinde auf der Straße, von denen jeder annimmt, der andere sehe den Weg.
Wir sind nur noch mit der Frage der Mittel befasst: wie wir die vielen Dinge bewerkstelligen sollen, aber wir fragen uns nicht mehr warum wir dies tun. Wir produzieren Maschinen, die wie Menschen handeln und wir produzieren Menschen die wie Maschinen handeln. Die Gefahr die uns heute droht ist nicht zu Sklaven zu werden, sondern zu „Automaten“.
Niemand fragt mehr danach warum und wofür wir produzieren und konsumieren. Wir sind nur glücklich, wenn wir herausfinden wie wir noch mehr produzieren können. Warum wir aber mehr produzieren wollen, warum wir überhaupt dieses oder jenes wollen, danach fragt niemand.
„Wir produzieren viele nützliche Dinge, aber noch viel mehr unnütze Menschen.“
Albert Schweitzer
Um dies noch an einem anderen Beispiel zu verdeutlichen: Wir alle sind eifrig bemüht Zeit zu sparen. Doch was machen wir mit der Zeit die wir gewonnen haben? Sie bringt uns in Verlegenheit und wir versuchen sie zu töten. Jeder der die gegenwärtige Situation kennt kann sich vorstellen was geschehen würde wenn wir generell nur eine 20-Stunden Arbeitswoche hätten: Wir bräuchten tausende von Psychiatern mehr angesichts der Nervenzusammenbrüche aufgrund der vermehrten Freizeit und den Menschen die damit nichts anzufangen wissen.
Nicht nur die Produktion, auch der Konsum ist zu einem Selbstzweck geworden.
Man kann geradezu sagen, der Mensch stellt sich heute den Himmel wie ein riesiges Warenhaus vor in dem es täglich neue Dinge zu kaufen gibt und dass er viel Geld hätte um sich alles kaufen zu können wonach es ihm gelüstet. Wir sind die ewigen Säuglinge die sich Zigaretten, Vorträge, Film und Fernsehen einverleiben. Viele Menschen sprechen von Liebe wie von Milch: „Das Kind hat nicht genügend Liebe bekommen, nicht genügend Zuwendung“. Wir möchten jedes Bedürfnis unmittelbar befriedigt bekommen, egal ob es sich um das Bedürfnis nach Sex, nach einem Auto oder nach Fernsehen handelt.
Das Gefühl der pseudo Freiheit, das sich in der Konsum- und Leistungsgesellschaft der industrialisierten Länder eingestellt hat ist in sich ein geschlossener Kreislauf des Selbstbetruges. Den entfremdeten, ängstlichen Menschen denen das Gefühl suggeriert wird sie hätten die Macht eine eigene Wahl zu treffen, wird ein perfektes System aus Schauspiel, Werbung, Suggestion und Manipulation untergeschoben. Diese pseudo Freiheit liegt in der Sphäre des Konsums. Hier kommt der Konsument in den Supermarkt oder Kaufhaus und da sieht er 10 verschiedene Deodorants oder Seifen usw. aus denen er frei wählen kann. Die er aus der Zeitung, Radio oder TV Werbung kennt und die sich alle um seine Gunst beworben haben, die ihn bitten wähle mich. Rationell weiß er zwar, dass im Grunde das alles dieselben Marken sind, ob das Zigaretten, Seife, Deos etc. Die werben mit hübschen Mädchen oder nur Mädchenbeinen und er weiß dass alles dies völlig irrational ist, aber es gibt ihm ein Gefühl der Freiheit, dass „ER“ wählen kann was „ER“ will. Er gibt seine Gunst einer bestimmten Marke z.B. Marlboro und nicht Camel und erwirbt eine pseudo Personalität. Er ist der Mann der sich definierten kann, dadurch dass er Marlboros raucht. Das ist sein Selbst, seine Persönlichkeit und im Akt des Wählens erlebt er seine Macht. Während ihm in Wirklichkeit seine Ohnmacht nicht bewusst wird. Ihm ist nicht Bewusst, dass sein Wählen ein Resultat von Beeinflussungen ist die hinter seinem Rücken vor sich gehen und direkt in sein Unterbewusstsein suggeriert werden. Er glaubt aber bewusst zwischen verschiedenen Produkten zu wählen die ihm vorgeschlagen werden. In Wirklichkeit gibt es keine echte Konkurrenz mehr. Riesige Konzerne tarnen sich nur mit verschiedenen Produktnamen und in Wirklichkeit ist alles das Gleiche. Den Konzernen geht es darum, dass der Konsument das pseudo Gefühl der Freiheit und der Macht hat frei zu wählen. Ebenso soll das pseudo Gefühl des Glücks suggeriert werden. Wenn man die Menschen fragt was sie glücklich macht, erhält man die Antwort: „ wenn ich mir dieses oder Jenes leisten kann dann bin ich glücklich.“ Das ist wohl der populärste Glücksbegriff des heutigen Menschen.
Der heutige Mensch der vom Homo Faber und Homo Sapiens zum Homo Consumens mutiert ist, glaubt dass im Kaufen und konsumieren sowohl die Freiheit und auch das Glück ist. Das einzige was einem an Freiheit und Glück hindert ist, wenn man nicht das Geld hat sich alles leisten zu können was man angeblich braucht und nach dem man begehrt.
Diese Umstände jedoch erzeugen den schwachen Menschen, den abhängigen Menschen und schließlich den passiven Menschen und entfremdeten Menschen.
Viele Philosphen, Humanisten und Denker des 19. Jahrhunderts haben vorausgesehen, dass diese Form der Industriegesellschaft einen leeren Menschen schaffen wird der der Sklave seiner Bedürfnisse ist.
Die immer weiter wachsende Bedeutung des Mechanischen, Computerhaften im Gegensatz zum Lebendigen, zum Menschlichen ist in allen westlichen Industrieländern erkennbar. Die Menschen interessieren sich immer mehr am Mechanischen, am Computerhaften und immer weniger am Menschlichen, am Lebendigen.
Das ist Nekrophilie, die Liebe zum toten zum unlebendigen, im Gegensatz zur Biophilie, der Liebe zum Lebendigen, zu allem was lebt und wächst.
Die Menschen (der homo Consumens Typ), glaubt dass man Glück nur kaufen kann. Wenn er nichts kaufen kann empfindet er kein Glück.
Aber in Wirklichkeit existiert Freude nicht im Konsumerleben. Selbst in der Bibel wird dies als eine große Sünde des Menschen benannt: „ Eure größte Sünde ist, dass ihr keine Freude mitten im Überfluss habt.“
Die Geschichte der christlichen Kirche liefert ein weiteres Beispiel für Bürokratie.
Wogegen protestierte Luther, als er sich von der katholischen Kirche trennte? Es gab viele Gründe, die wichtigste aber war, dass er dagegen protestierte, dass der Mensch angeblich Gott nur durch die Bürokratie der Kirche, durch die Vertreter der Kirche wie die Priester, Bischöfe etc., begegnen konnte. Der Mensch konnte mit Gott nicht direkt in Beziehung treten, es sei denn ein Priester vermittelte ihm den Kontakt zu Gott.
Luther protestierte hiergegen und bestand darauf, dass jeder Mensch direkt mit Gott in Kontakt kommen solle und könne.
Diese lutherische Tradition ist eine der Grundlagen unserer modernen Vorstellungen von Freiheit und Individualität. Doch was beobachten wir heute? Wir finden genau die gleiche Situation vor gegen die Luther kämpfte. Kirchenmitgliedschaft und Gottesdienstbesuch stehen heute vergleichsweise noch immer hoch im Kurs. Doch was ist das Ergebnis?
Wir leben in einer sehr unreligiösen Kultur in der sich die Tatsache der Entfremdung
aufzeigen lässt. Indem der Einzelne einer Kirche angehört und am Sonntag den Gottesdienst besucht, hat er das bewusste Gefühl mit Gott und mit seinen eigenen spirituellen Kräften in Kontakt zu sein. Dabei legt er nur wieder seine Spiritualität in die Hände der Kirchenvertreter und das wahre Spirituelle in ihm wird verdrängt.
Die Spaltung zwischen Denken und Affekt, ein Mechanismus der von der Schizophrenie her bekannt ist, ist für den gegenwärtigen Menschen charakteristisch. Da wir alle aber an einer solchen Spaltung leiden erachten wir sie nicht als etwas Pathologisches. Ein solches entfremdetes, schizoides Leben führt zu dem, was die Franzosen schon vor 150 Jahren la Malaise du siècle – die Krankheit des Jahrhunderts – nannten oder ennui, Langeweile.
Heute nennen wir es neurotisch. Wir werden indoktriniert uns nicht unglücklich zu fühlen, denn wer sich unglücklich fühlt hat keinen Erfolg. Allerdings ist es uns erlaubt uns neurotisch zu fühlen. So geht man zum Doktor und erzählt ihm, dass man an Schlaflosigkeit leidet oder „ein Problem hat“. Man hat ein Auto, man hat eine Frau, man hat Kinder, man hat ein Haus – und man hat eben auch ein Problem. Es ist unsere Art zu denken und zu fühlen, die ganze Betonung auf Haben statt auf das Sein zu legen.
Wir haben viel, aber wir sind wenig.
Eine solche Einstellung führt zu Defätismus, (systematisches Nähren von Mutlosigkeit, Resignation, Zweifel) auch wenn dieser uns nicht bewusst sein mag. Obwohl wir alle zum Beispiel vorgeben an die Demokratie zu glauben, sind wir davon überzeugt, dass viele Menschen nur in dem bereits erwähnten Sinn von „Zustimmung ohne Anwendung von Gewalt“ an die Demokratie glauben, nicht aber an Demokratie als freiwillige, aktive, produktive Teilhabe verantwortlicher Bürger. Wir alle wiederholen nur Formeln, in denen bestenfalls ein halbherziger Glaube zum Ausdruck kommt. Die Folge davon ist, dass wir unsicher sind und kein Identitätserleben spüren
das in unseren eigenen Überzeugungen und in unserem Glauben begründet ist. Unser Identitätserleben spüren wir nur wenn wir konform gehen. Ich weiß dann, dass ich bin – nicht weil ich eine Überzeugung habe und etwas intensiv spüre, sondern weil ich wie alle anderen bin. Und wenn ich mich nur einen Meter von der Herde entfernt vorfinde, dann verunsichert mich dies sehr, denn ich weiß dann nicht mehr wer ich bin.
Wo bitte ist hier die Freiheit?
E.Garlaounis
Last changed: Jan 19 2012 at 12:30 PM
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